06.10.2011

Von: Lutz Oschmann

(K)ein Partikeltherapiezentrum in Kiel

Die Planung eines Partikeltherapiezentrums in Kiel war von Anfang an medizinisch umstritten und wirtschaftlich riskant.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen war stolz, dass er sich mit dem Hamburger 1. Bürgermeister darauf geeinigt hatte: das PTZ für Norddeutschland kommt nach Kiel.

Die Politik ist kaum in der Lage die Wirksamkeit dieser Technologie zu beurteilen. Wenn ich höre, die Partikel werden auf 60% der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, dann habe ich persönlich große Zweifel. Aber es war immerhin der Weltmarktführer Siemens, der diese neue Krebstherapie entwickelt hatte

Kranke Menschen hoffen auf Heilung, deshalb ist es richtig,

dass medizinische Forschung statt findet und dass neue Formen der Heilung entwickelt werden.

Das Kieler PTZ ist im Prinzip betriebsbereit und es sollte alles dafür getan werden, dass die Technologie zum Einsatz kommt

Am 20.9. konnten wir in der KN nun vom früheren Wirtschaftsminister Werner Marnette lesen, dass Siemens schon 2008 aussteigen wollte. Weiter berichtet Marnette, dass die Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie, auf deren Basis das Projekt gestartet wurde, völlig beschönt gewesen war, das Desaster war damit bereits programmiert.

Im Klartext heißt das, die Kieler Kommunalpolitik, die 2007 schweren Herzens dem Bau des PTZ zugestimmt hat, ist so richtig vorgeführt worden.

Ich darf daran erinnern, die damaligen OB wollte den Betonklotz sogar in den Schlossgarten setzen.

Das Partikeltherapiezentrum in Kiel, das NRoCK wird nun abgewickelt. Der Wirtschaftsminister und designierter CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager hat sich mit Siemens geeinigt. Der ÖPP-Vertrag wird aufgelöst.

Also alles Paletti? Von wegen.

Der Wirtschaftsminister und CDU-Spitzenkandidat de Jager ist der Hauptverantwortliche für den Deal mit Siemens. Er hat das Interesse, schnell aus der Sache herauszukommen bevor das PTZ zum Wahlkampfthema wird. De Jager will sich vom Acker machen und lässt die LH Kiel im Regen stehen.

Was wird aus den Vorleistungen, die Kiel erbracht hat?

Kiel hat den wundervollen Pastor Husfeldt-Park geopfert,

das Grundstück zum halben Marktpreis an das Land verkauft.

Wegen der Zeitnot wurde kein Architektenwettbewerb durchgeführt, der Betonklotz steht nun da für mindestens 100 Jahre.

Für die konventionelle Strahlentherapie ist das Gebäude mit seinen Mauern völlig überdimensioniert. Bis zu 5 Meter dicke Mauern werden dafür nicht gebraucht.

Kiel bekommt keine fortschrittliche Krebstherapie von Weltniveau. Die versprochenen neuen hochqualifizierten Arbeitplätze lösen sich in Luft auf, auf neue Steuereinnahmen kann Kiel lange warten.

Für diese von der Landesregierung zu verantwortende Desaster steht der LH Kiel eine angemessenen Kompensation zu.

Erst recht vor dem Hintergrund, dass die CDU geführte Landesregierung das Kieler Maritime Science Center gekippt hat und mit dem Haushaltserlass den Kieler Investitionshaushalt zusammenkürzt.

 Die SPD-Landtagsfraktion hofft auf einen neuen Betreiber für das NRoCK. Angedacht war die Physikalisch Technische Bundesanstalt Braunschweig und das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. Wenn ich mir die Antworten der Bundesregierung auf die Fragen von Hans-Peter Bartels anschaue, dann hat die Bundesregierung bereits abgewunken. „Es gehört nicht zu den Aufgaben einer aus Steuermitteln finanzierten Ressortforschungseinrichtung und eines öffentlich geförderten Forschungszentrums, eine Anlage für Partikeltherapie zu betreiben.“

Es ist schwer vorstellbar einen neuen Betreiber zu finden, wenn der Weltmarktführer Siemens selbst die Therapie nicht wirtschaftlich darstellen kann. Nach meinen Infos baut Siemens alle Gerätschaften in Kiel ab, damit kein Konkurrent diese Technologie in die Hand bekommt.

Mich ärgern 2 Aspekte: Die Technologie ist mit öffentlichen Mitteln befördert worden und Siemens zieht sich mir nichts dir nichts aus Kiel zurück. Es ist schlecht für viele Krebskranke, wenn eine neue potentiell erfolgreiche Therapie nicht umgesetzt wird.

Auf der anderen Seite wird das PTZ in Shanghai von Siemens weiter aufgebaut, damit es zum Weltstrahlentherapiekongress 2014 fertig wird, der Kongress findet zufällig in Shanghai statt. China ist für Siemens wohl der interessantere Markt.

Die Landesregierung hat der LH großen Schaden zugefügt, Kiel hat Anspruch auf Kompensation, ohne wenn und aber.

URL:http://gruene-kiel.de/ratsfraktion/reden/reden-single/article/kein_partikeltherapiezentrum_in_kiel/