19.12.2011

Von: Ulrike Kahlert

Kulturhaushalt: die freie Szene unterstützen

Herr Stadtpräsident, meine Damen und Herren!

Kultur gehört für uns Grüne zu unserer Stadt, zu unserer kreativen Stadt Kiel, dazu. Dies hat unsere Fraktionsvorsitzende bereits heute morgen ausgeführt. Daher werde ich diesen Part jetzt hier nicht wiederholen, sondern werde erläutern, weshalb wir die von uns eingebrachten Änderungen in den Entwurf des Kulturhaushalts als nötig ansehen.

Vorweg jedoch möchte ich Fragen benennen, die zeigen, dass sich am Umgang mit Kultur vieles über eine Gesellschaft ablesen lässt. Dies sind Fragen wie:

Begnügt sich die Gesellschaft mit einer Grundversorgung?

Welche Schwerpunkte setzt sie?

Lässt sie Neues und auch Unbekanntes zu?

Wie geht sie mit ihrer Vergangenheit um?

Was hinterlässt sie späteren Generationen?

Für uns Grüne kann ich diese Fragen beantworten mit:

Ja, wir wollen eine kulturelle Grundversorgung.

Ja, wir wollen eine Weiterentwicklung. Wir wollen Neues entstehen lassen und dieses fördern.

Ja, wir wollen einen konstruktiven Umgang mit unserer Vergangenheit und ja, wir wollen diese an nachfolgende Generationen vermitteln.

Deshalb wollen wir:

  • die kulturelle Infrastruktur erhalten, ausbauen, stärken
  • die freie Szene unterstützen
  • Vernetzungen fördern
  • Ehrenamt fördern und unterstützen

Deshalb setzen wir Schwerpunkte bei:

  1. kultureller Bildung (inkl. Geschichte)
  2. Stärkung der Stadtteile Wik und Gaarden
  3. Förderung und Unterstützung besonders herausragender ProjekteWas heißt das nun konkret für Kiels Kultur?
  4. Die Infrastruktur erhalten, ausbauen, stärken

Der Warleberger Hof wurde zu Jahresbeginn nach umfänglicher Sanierung neu eröffnet. Die Museumsbrücke wurde saniert und im Mai neu in Betrieb genommen.

Noch nicht abgeschlossen ist die Sanierung des Schifffahrtsmuseum.

Dieses Projekt wird uns 2012 weiter begleiten.

Sämtliche Institutionen bleiben erhalten. Keine wird geschlossen oder in ihrer Förderung gekürzt. Und das ist in diesen Zeiten knapper Kassen bereits sehr viel.

Die freie Szene unterstützen

Drei wichtige Anbieter freier Kunst werden ab 2012 neu in die institutionelle Förderung aufgenommen.

Mit dem bedeutenden Projekt für zeitgenössische Musik und ihre Vermittlung, chiffren, sichern wir uns und den Kieler Schülerinnen und Schülern eine spannende Erfahrung mit den Möglichkeiten der zeitgenössischen Musik.

Mit K34 können wir endlich mit der Gaardener Kunstszene eine
auf Dauer gestellte Kooperation eingehen. Hier besteht die erfolgversprechende Aussicht, ein Gaardener Kulturzentrum zu etablieren: Neben den Ausstellungen laufen bereits auch Theaterworkshops, Lesungen usw. und können nun verstärkt in Angriff genommen werden. Hier wächst ein Kulturzentrum aus sich, aus dem Stadtteil selbst  heraus und trägt zu einem nicht zu unterschätzendem Ausbau des kulturellen Angebots in Gaarden bei.

Mit Kunstraum B nehmen wir eine Galerie, wie sie einzigartig für Kiel ist, in die Förderung auf. Auch sie strahlt durch internationale Partnerschaften und durch die Vergabe von Arbeitsstipendien über Kiel hinaus.

An dieser Stelle ist auch das Articulum im Lessingbad zu nennen. Die Förderung dieses einmaligen Projektes werden wir fortsetzen. Hier finden nicht nur Schülerinnen und Schüler im Kunstlabor einen „Kunstunterricht“ ganz anderer Art, als sie ihn bislang kennen, vor, sondern sämtliche Altersklassen können Veranstaltungen wie Ausstellungen, Kino, Theater oder Symposien in einem ganz besonderen Ambiente mit dadurch auch ganz anderen Möglichkeiten als an anderen Orten besuchen. Längst ist dieser Ort aus Kiels Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken.

Vernetzungen fördern

Mit „Museen am Meer“ als Marke ist ein Projekt angelaufen, in dem sich acht Museen von Stadt und Land zu einer engeren Zusammenarbeit zusammen getan haben. Dieses Projekt hat im Oktober gerade erst offiziell begonnen und zeigt sich sehr vielversprechend.

Auch die oben bereits genannten Einrichtungen sind gut in der Kieler Kultur vernetzt und bauen dies weiter aus.

Ehrenamt unterstützen und fördern

Sämtliche bislang durch Verträge mit der Stadt geförderte freie  Einrichtungen erhalten neue Verträge und werden somit ab 01.01.2012 für weitere dreieinhalb Jahre gefördert werden. In vielen dieser Einrichtungen engagieren sich Menschen ehrenamtlich.

Schwerpunkte setzen wir bei:

kultureller Bildung (inkl. Geschichte)

Wir erhöhen die Förderung des Vereins Mahnmal Kilian e.V. sowie die  des Maschinenmuseums Kiel-Wik.

Das Maschinenmuseum mit seiner umfangreichen Sammlung betriebsfähiger Maschinen und Anlagen hält spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche vor, die auch ausgiebig in Anspruch genommen werden.

Der Verein Mahnmal Kilian, der im Flandernbunker wirkt, leistet u.a. mit seinem Zeitzeugenprojekt einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit – vor allem auch, wenn man bedenkt, dass es in einiger Zeit keine Zeitzeugen des 2. Weltkriegs mehr geben wird.

Der Umgang mit unserer jüngeren Geschichte muss neu diskutiert werden. Dies war Thema der letzten Kulturkonferenz vom 01.12.11.

Bereits im Mai diesen Jahres hat die Ratsversammlung einen Antrag eingebracht, mit dem die Verwaltung aufgefordert wird, sich mit neuen Formen der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen.

Dieses Thema werden wir auch 2012 und darüber hinaus konstruktiv erörtern.

Aber auch chiffren sowie das Articulim im Lessingbad kann ich zum Stichwort kulturelle Bildung wieder nennen.

Doppelnennungen bei meinen Beispielen zeigen, wie wichtig die genannten Projekte sind, wie sie gleich mehrere relevante Merkmale erfüllen.

Stärkung der Stadtteile Wik und Gaarden

Wik

Das Wiker Kulturmeilenfest im Oktober hat gezeigt, wie viel die Wik zu bieten hat, aber auch, dass die Wik ein Stadtteil ist, der weitere Unterstützung braucht.

Daher erhöhen wir die institutionellen Förderung für Mahnmal Kilian und das Maschinenmuseum.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich in diesem Zusammenhang die Eröffnung des Atelierhauses im Anscharpark vor zweieinhalb Wochen. Dieses Haus stellt nicht nur einen neuen Anziehungspunkt im Stadtteil Wik dar, sondern trägt darüber hinaus erheblich zur Verbesserung der kulturellen Infrastruktur Kiels bei. Und zu meiner persönlichen Freude waren am Eröffnungsabend auch VertreterInnen der Ratsfraktionen von FDP und CDU anwesend – standen ihre Fraktionen doch lange skeptisch bis ablehnend einer Unterstützung dieses großartigen Projekts gegenüber.

Gaarden

Mit der Aufnahme der Galerie K 34 in die institutionelle Förderung helfen wir, die Kultur in Gaarden ein ganzes Stück voran zu bringen.

Besonders herausragende Projekte

Hier sehe ich chiffren als eines der Projekte, mit denen Kiel überregional und in Verbindung mit höchster Qualität bekannt geworden ist. Zur nächsten Biennale im Februar 2012 werden wir wieder zahlreiche international anerkannte Künstler in Kiel zu Gast haben.

Auch das Articulum im Lessingbad mit all seinen eventuell auch noch schlummernden weiteren Entwicklungschancen und Perspektiven sehe ich hier.

Auch in Zeiten knapper Kassen geht also doch immer noch etwas.

Was wir aber nicht vergessen dürfen:

Letztendlich steht und fällt alles mit den Menschen, die sich engagieren, die sich kümmern, die für „ihr“ Thema, „ihr“ Projekt brennen. Und davon haben wir viele in Kiel.

Ein Beispiel möchte ich hier nennen – stellvertretend für viele andere: Der Förderverein der Stadtgalerie hat einen Vertrag mit der Stadt geschlossen, mit dem eine weitere Unterstützung der Stadtgalerie sichergestellt wird. U.a. werden Vereinsmitglieder durch ihren Einsatz dazu beitragen, dass längere Öffnungszeiten der Stadtgalerie ermöglicht werden und zwar bis hin zu den Anfangszeiten der Veranstaltungen im Veranstaltungssaal. Dies lässt Synergieeffekte und dadurch auch eine Verbesserung des Angebots erwarten.

Derartige Ideen und ihre Umsetzung brauchen wir, damit Kiel noch attraktiver wird.

Kultur besteht aus vielen Puzzleteilen; Puzzleteilen, die eben nicht austauschbar sind, sondern die erst gemeinsam ein großes Ganzes ergeben und dazu beitragen, dass Kiel eine lebenswerte Stadt bleibt, die eben nicht stillsteht, sondern sich ständig weiterentwickelt und ständig Neues zu bieten hat.

 Vielen Dank!

 

URL:http://gruene-kiel.de/ratsfraktion/reden/reden-single/article/kulturhaushalt_die_freie_szene_unterstuetzen/