21.01.2013

Von: Lutz Oschmann

Masterplan Industrie?

Das ist ein interessanter Aufschlag der CDU, leider fehlen eigene neue Ideen. Sie haben als KN-Beilage ihre Fraktionszeitung verteilt mit dem Aufmacher Wirtschaft. Ich habe versucht ihre Zeitung aufzuschlagen und wollte mich auf den Seiten 2 und 3 über ihre Inhalte und Vorstellungen informieren, nur die inhaltlichen Seiten gab es gar nicht. Da war nichts an Inhalten.

Es fehlt bei Ihnen die Einbeziehung der Gewerkschaften, die industriepolitische Kompetenz der IG Metall ist unverzichtbar.

Wir dürfen nicht nur die Wirtschaft und die Industrie von Kiel in den Blick nehmen sondern auch die der Kiel Region  Nicht umsonst gibt es seit 6 Jahren die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kiel Region. Diese Gesellschaft ist übrigens von der damaligen CDU-Ratsfraktion initiiert worden. Es schon merkwürdig, dass Sie die Region nicht auf den Schirm haben.

1992 gab es in Kiel noch 136 Industrieunternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, heute noch 77 Unternehmen. Es gingen ca. 10.000 industrielle Arbeitsplätze verloren. Kiel ist ein Industriestandort mit Werften, Maschinenbau, Lokomotivbau, Rüstungsproduktion.

Kiel ist Dienstleistungszentrum, Sitz der Landesregierung, Wissenschaftsstandort und Einkaufsstadt. Der größte Arbeitgeber ist neben Landesregierung und Hochschulen die Gesundheitswirtschaft.

 

Die einzelnen Kieler Industriebetriebe haben große Kompetenz und haben auch im Weltmarkt Bedeutung. Das gilt nicht nur für HDW, sondern auch für die Walterwerke, Voith, Vossloh, Caterpillar, Edur-Pumpen, Raythion, Sauer & Sohn, Elac Nautik, GKN Gelenkwellenwerk Kiel, Zöllner Signal und viele weitere.

 

Wird es neue Werften geben, das ist sehr unwahrscheinlich, wird es neue Rüstungsbetriebe geben, ebenfalls unwahrscheinlich. Was sind zukunftsfähige Branchen im produzierenden Gewerbe? Das sind Emissionsarme Betriebe im Bereich der erneuerbaren Energien, vor allem der Windkraft. Der Aufbau der Off-shore-Windkraft hat sich stark verzögert mit dem Resultat, dass niedersächsische Firmen in dieser Branche Arbeitsplätze abbauen. Aber der Off-shore-Boom wird kurz oder lang kommen, Kiel kann davon profitieren. Emissionsarmes Gewerbe ist denkbar mit einer Mischnutzung Wohnen, die Trennung von Arbeit und Wohnen war eine falsche Entwicklung.

Die Ausbildungswerkstatt des Marinearsenals muss weitergeführt werden, Qualifizierte Arbeitnehmer in technischen Berufen sind wichtig für den gesamten Kieler Facharbeitsmarkt. Rund 150 Industriemechaniker, Elektroniker und Systeminformatiker werden dort ausgebildet und sie werden in Kiel gebraucht.

Die Arbeitslosigkeit in Kiel ist zurückgegangen, die Quote von 9,6% Ende 2012 ist der niedrigste Wert seit 28 Jahren.

Mit uns wird es keine reinen Industrie- und Gewerbeflächen auf dem Flugplatz und MFG5 geben. Die Beschlüsse der Selbstverwaltung sehen eine Mischnutzung vor.

Aus Grüner Sicht soll das Potential der Kieler Hochschulen, des KITZ und des Wissenschaftsparks mit dem Wissenschaftszentrum für die wirtschaftliche Entwicklung der Region genutzt werden. In Kürze werden die Gutachten zu innovativer und kreativer Stadt vorliegen. Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist sicher zu verbessern, die Zahl der Ausgründungen kann gesteigert werden.

Was muss weiter auf den Prüfstand:

a. die bisherige Ansiedlungs- und Bestandssicherungspolitik der KIWI

b. die Arbeit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Kiel

c. der Strukturwandel der maritimen Verbundwirtschaft, vor allem der Werften

d. das vorhandene und zukünftige gewerbliche Flächenangebot

e. die zivile Nachnutzung vormals militärisch genutzter Flächen (Flächenkonversion)

f. die regionale und überregionale Verkehrsinfrastruktur (Seehafen, NOK, Eisenbahn, Autobahnen, ÖPNV mit der SRB)

g. das Standortmarketing für Kiel und die Kieler Region.

Der Strukturwandel hin zur Dienstleitungs- und Wissenschaftsstadt wird weiter fortschreiten, für eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur in der Kieler Region bleibt die industrielle Basis unverzichtbar. Dafür wird sich die Grüne Ratsfraktion weiterhin einsetzen.

 

Kategorien:Fraktion Rede Wirtschaft
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