Olympia nachhaltig gestalten

Die Kreismitgliederversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kiel möge beschließen:

Wir werden den Bürger*innenentscheid zu Olympia offen gegenüberstehen.

Als Kieler Bündnisgrüne schätzen wir den Olympischen Geist, der zum
internationalen Austausch führt, und sehen große Möglichkeiten für die
Entwicklung des Spitzen- und Breitensports in Kiel. Wir glauben, dass durch eine
Beteiligung an einer Ausrichtung der Olympischen Spiele die Strahlkraft Kiels
wächst, der Tourismusstandort mittelfristig profitiert und versprechen uns mehr
politischen Handlungsspielraum für notwendige Infrastrukturprojekte.

Wir begrüßen bereits verankerte Eckpunkte wie die Weiternutzung eines
olympischen Dorfs für den sozialen Wohnraum. Kiel eignet sich auch aus
Nachhaltigkeitsperspektive für die Austragung durch das bereits bestehende
Olympiazentrum Schilksee, durch dessen Ertüchtigung wir uns zusätzlich neue
Impulse für den Stadtteil erhoffen.

Jedoch teilen wir auch eine gewisse Skepsis, die viele Bürger*innen in den
letzten Monaten ausgedrückt haben. Unter der Leitung des Internationalen
Olympischen Kommittees waren die Spiele in der Vergangenheit zu oft besonders
umweltzerstörend und oft mehr ein Mittel für autoritäre Regime, um ihr Image zu
verbessern, als ein Wettbewerb und Fest rund um die besten Athlet*innen dieses
Planeten. Kiel hätte gemeinsam mit den anderen ausrichtenden Regionen aber auch
die Chance, der Welt zu zeigen, dass Olympia auch anders geht.

Sollten sich die Kieler*innen für eine Beteiligung Kiels an der deutschen
Olympiabewerbung aussprechen, werden wir uns als BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kiel für
folgende Punkte einsetzen:

  • Nachhaltigkeit und Klima
    Die Bewerbung und Durchführung richtet sich an den
    Klimaschutzzielen/Klimaleitlinien der Stadt Kiel sowie den 17
    Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen aus. Bauten sollten so
    errichtet werden, dass sie im Anschluss entweder sinnvoll umgenutzt werden
    können oder nachhaltig wieder abgebaut werden können Auf Neubauten von
    Sportspätten für den Olympiabetrieb ohne Nachfolgenutzung wird verzichtet.
  • Demokratische Beteiligung und Transparenz
    Nach einem befürwortenden Bürger*innenentscheid ist eine frühzeitige und
    umfassende Beteiligung der Stadtgesellschaft, insbesondere der
    Bürger*innen, zivilgesellschaftlicher Akteur*innen sowie von Sport- und
    Umweltverbänden, sicherzustellen. Alle Entscheidungsprozesse,
    Planungsschritte und Kostenkalkulationen müssen öffentlich einsehbar sein.
  • Soziale und finanzielle Verantwortung
    Durch die Bewerbung und potenzielle Ausrichtung darf die Stadt Kiel keine
    finanziellen Risiken eingehen. Daher fordern wir in den weiteren
    Bewerbungsschritten klare Zusagen des Bundes und des Landes zur
    Kostenübernahme und Risikoverteilung. Soziale, kulturelle und
    städtebauliche Projekte dürfen nicht zugunsten der Olympiabewerbung
    zurückgestellt oder verzögert werden.
  • Erinnerungskultur mitdenken
    Aufgrund der nationalsozialistischen Instrumentalisierung und dem
    antisemitischen Terror stellen die Olympischen Spiele von 1936 und 1972
    ein zutiefst bedauernswerte Kapitel in der deutschen (Sport-)Geschichte
    dar. Wir setzen uns dafür ein, die bisherigen deutschen Olympia-
    Ausrichtungen durch begleitende Formate zu kontextualisieren und setzen
    uns eindeutig für ein demokratisches, vielfältiges und tolerantes Olympia
    in Kiel ein.
  • Infrastruktur aufwerten
    Damit Olympia in Kiel wirklich nachhaltig ist und neben den Spielen selbst
    auch nachhaltig das Leben der Kieler*innen verbessert, ist darauf zu
    achten, die errichtete Infrastruktur im Verbund mit anderen laufenden
    Maßnahmen, wie beispielsweise der Stadtbahn, zu planen und zu denken.

Uns ist wichtig, gemeinsam mit der KielRegion bzw. gemeinsam mit den an Kiel
grenzenden Gemeinden ggf. kommende Planungen abzustimmen.