Kiel ist ein „sicherer Hafen“ für die Menschen aus Afghanistan

Die Rede von Arne Stenger zur Resolution „Verantwortung übernehmen, Geflüchtete Menschen aus Afghanistan aufnehmen!“ (Drs. 731/2021).

Sehr geehrter Stadtpräsident, liebe Kolleg*innen,

in Afghanistan herrscht seit über 40 Jahren Krieg. Sowjetische Besatzung, Bürgerkrieg, zwischendurch ein Terrorregime, dann wieder Krieg und Bürgerkrieg.

Die Menschen in Afghanistan mussten in all diesen Jahren leiden, mal mehr, mal weniger.

Wenn ich vor 47 Jahren in Afghanistan statt in Deutschland geboren worden wäre, dann könnte ich mich vielleicht an ein paar Jahre in meiner Kindheit erinnern, in denen es keine gewaltsamen Auseinandersetzungen gab. Und sonst ginge die Erinnerung zurück auf 40 Jahre Krieg, fast mein ganzes Leben.

Immerhin hätte ich zur Schule gehen können, hätte arbeite dürfen und das Haus alleine verlassen. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Meiner Schwester wären diese Dinge nur zu manchen Zeiten möglich gewesen.

Vor etwa 20 Jahren wurde das Terrorregime der Taliban durch den Krieg einer internationalen Gemeinschaft entmachtet. Friede kehrte leider nicht in Afghanistan ein.

Über den Krieg als Frieden stiftendes Instrument ließe sich trefflich streiten. Wir könnten darüber hier und heute vermutlich stundenlang diskutieren.

Ich als Pazifist sehe dies sicher anders als mancher in dieser Runde, aber darum geht es heute und im Moment gar nicht. Es ist heute nicht wichtig, ob der Einsatz der Bundeswehr richtig oder falsch war. Ob er zu lang oder zu kurz war.

Es geht darum, was die Bundeswehr und die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen in Afghanistan getan und versucht haben. Nämlich die Menschen dazu zu bringen, demokratisch zu handeln, sich für Menschenrechte einzusetzen und diese zu garantieren. Bildung für Jungen UND Mädchen zu ermöglichen. Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Menschen als sogenannte Ortskräfte bei der Bundeswehr zu beschäftigen und ihnen so Arbeit zu geben und so gleichzeitig Kontakte in die afghanische Gesellschaft aufzubauen, auch das war richtig und notwendig.

Dazu haben wir die Menschen ermutigt. Das war richtig!

Aber der Einsatz in Afghanistan ist gescheitert. Und wir haben diese Menschen dort zurückgelassen.

Die Bilder, die wir vom Flughafen Kabul zu sehen bekommen, sind schwer zu ertragen. Menschen, die sich in Ihrer Verzweiflung an Flugzeuge klammern, das sind Bilder, die wir vermutlich nicht so schnell vergessen werden.

Wir müssen die Verantwortung für diese Menschen übernehmen, Deutschland und Kiel müssen dazu stehen und diesen Menschen helfen.

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass Krieg offenbar nicht die Lösung aller Probleme sein kann, sondern immer auch der Weg zu neuen Problemen ist.

Wir werden leider nicht allen Menschen vor Ort helfen können. Dass demnächst oder sogar schon heute Frauen wieder zuhause eingesperrt sein werden, dass Mädchen nicht mehr zur Schule gehen dürfen, all das treibt mir die Tränen in die Augen und es ist aus unserer Sicht unvorstellbar.

Aber Kiel kann denen helfen, deren Leben bedroht ist und die durch die Luftbrücke der Bundesregierung oder auf anderen Wegen die Möglichkeit erhalten, ihre Heimat zu verlassen. Vermutlich für immer oder sehr lange!

Kiel kann für diese Menschen ein Zuhause werden. Kiel hat dies schon 2015 gezeigt und bewiesen. Die Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit unserer Stadtgesellschaft war damals beeindruckend und wir müssen dazu auch heute wieder bereit sein. In diesen Punkt wünsche ich mir unbedingt, dass sich 2015 wiederholt!

Es geht im Moment einfach darum zu helfen, es geht nicht um die Bewertung eines Bundeswehreinsatzes. Es geht darum, Leben zu retten und die Menschenwürde zu sichern.

Dass unsere Stadtverwaltung bereits mit Potsdam und anderen Städten dazu im Austausch steht, stimmt mich dabei umso mehr positiv.

Wir können helfen und Menschen aus Afghanistan aufnehmen!

Stimmen Sie daher bitte für diesen Antrag.

Afghanistan.“

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