Wie kann Kiel zusätzlichen Wohnraum schaffen und dabei gewachsene Quartiere, Grün und Lebensqualität erhalten? Mit dieser Frage lädt die Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 29. September zur öffentlichen Fach- und Diskussionsveranstaltung „Kiel wächst. Wo wohnen wir morgen?“ in den Ratssaal des Kieler Rathauses ein.
„Kiel wächst. Damit wächst auch die Verantwortung, genau hinzuschauen: Wo können neue Wohnungen entstehen, ohne immer neue Flächen zu verbrauchen?“, sagt Arne Stenger, baupolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. „Wir wollen über Lösungen sprechen, die Wohnraum schaffen und zugleich unsere Quartiere stärken. Gute Nachverdichtung bedeutet für uns: mehr Lebensqualität und ein kluger Umgang mit den Flächen, die unsere Stadt bereits hat.“
Den Auftakt macht Prof. Nanni Grau, Architektin und Expertin für Architektur der Transformation an der TU Berlin. Ihr Vortrag trägt den Titel „Mehr Wohnen, weniger Bauen“. Grau richtet den Blick auf den Gebäudebestand als Ressource. In vielen Häusern und Wohnungen schlummern Potenziale, die angesichts veränderter Haushaltsgrößen und Altersstrukturen neu gedacht werden können. Einfamilienhäuser und Gründerzeitgebäude können ebenso Teil der Lösung sein wie Dachgeschosse oder leerstehende Gebäude. Dabei geht es Grau um mehr als zusätzliche Quadratmeter. Umbauen kann eine Qualitätsstrategie sein. Wenige gezielte architektonische Eingriffe können Wohnraum schaffen, Freiräume erhalten und die sozial-räumliche Qualität eines Quartiers verbessern. „Nicht alles muss neu gemacht werden. Vieles muss nur anders gedacht werden“, lautet einer ihrer zentralen Gedanken.
Auch David Petersenvon der Europa-Universität Flensburg stellt die Frage nach dem vorhandenen Raum. Sein Vortrag „Mehr Wohnraum – aber wie? Suffizienz, Bodenpolitik und die Potenziale des Bestands“ nimmt den Zusammenhang von Wohnraumbedarf, Bezahlbarkeit und ökologischen Grenzen in den Blick. „Wir müssen genauer fragen, wie viel und welchen Wohnraum wir brauchen – und für wen“, so Petersen. „Dazu gehört der Blick auf Umnutzung, Wohnungsteilung, Aufstockung und Wohnraumtausch ebenso wie auf Bodenpolitik und die Frage, wo Neubau sinnvoll ist. Für eine wachsende Stadt brauchen wir einen breiten Werkzeugkasten.“
Anschließend bringt Doris Grondke, Kieler Stadträtin für Stadtentwicklung und Bauen, die Perspektive aus Kiel ein. Unter dem Titel „UEBERMORGENKIEL – Wohnen zwischen Stadt, Meer und Zukunft“ geht es um die konkrete Situation der Landeshauptstadt: Bevölkerungsentwicklung, Wohnungsbedarf, Neubau, Mietenentwicklung und vorhandene Potenziale im Bestand. Beispiele aus Kiel sollen zeigen, wo Nachverdichtung und Umnutzung bereits ansetzen können.
In der anschließenden Podiumsdiskussion treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Neben Nanni Grau, David Petersen und Doris Grondke diskutieren Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel, und Arne Stenger, baupolitischer Sprecher der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen über die realistischen Potenziale im Bestand, notwendige Instrumente, Eigentümerinteressen, bürokratische Hürden und die Frage, wie Verdichtung sozial verträglich gelingen kann.
📅 Dienstag, 29. September 2026
🕕 18 Uhr
📍 Ratssaal des Kieler Rathauses, Eingang Waisenhofstraße
🎟️ Eintritt frei – keine Anmeldung erforderlich