Es gilt das gesprochene Wort!
Im Antrag heißt es “Austausch zur altersgerechten Stadt”, das ist gut. Der richtige Ort dafür wäre allerdings zunächst der Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit. Da sollten wir zuerst sprechen. Und zwar mit denjenigen, die dieser Antrag auch betrifft: mit älteren Menschen und vor allem mit dem Seniorenbeirat.
Ein Viertel aller Kielerinnen und Kieler ist älter als 60. Etwa 60.000 Menschen. Und sie sind so vielfältig, so unterschiedlich und so toll, wie Menschen nur sein können. Deshalb ist für mich „Regel Nummer 1“, wenn wir über eine altersfreundliche Stadt reden: Wir reden nicht über, sondern mit den Menschen. Und dann wird Kiel bunt – und zwar in allen Altersgruppen, und na klar: auch im Alter.
Wenn wir Konzepte entwickeln – und das geschieht ja längst – dann brauchen Expertise „von außen“: von Fachmenschen, aus anderen Städten, auch Ländern. Wir nehmen alles mit, was „Wissen“ ist und hier in Kiel umgesetzt werden kann und muss. Dafür kann ein Beitritt in das internationale Netzwerk der Weltgesundheitsorganisatin (WHO) „Altersfreundliche Stadt“ ein Baustein sein. Aber eben nur ein Baustein.
Mir ist es wichtig, dass wir hier in Kiel, wirklich vor der Haustür, etwas tun! Wir wollen Kiel altersfreundlicher machen. Das heißt: Eine barrierearme, sicherere, vielfältige Stadt mit vielen Freizeit-, Kultur- und Sportangeboten, mit einem guten Wissensaustausch, mit Hilfen, die ankommen und passen. Eine Stadt der kurzen Wege, eine gute Notfallversorgung, medizinische Versorgung, auch Treffpunkte und Begegnungsstätten. Und zwar für Jung und Alt. Wir denken beides zusammen.
Ich nenne die Pflege: Wir brauchen eine gute kommunale Pflegebedarfsplanung.
Wohnen: Wir brauchen besseren Wohnraum für Ältere, barrierearm bis barrierefrei und vor allem bezahlbar.
Mobilität ist wichtig. Autoverkehr, Radverkehr, Fußverkehr. Hier treffen sich Klimapolitik und Sozialpolitik. Es geht um Sicherheit. Und zwar vor Ort, vor der Haustür. Wir haben hier im Rat beschlossen, Kiel zu einer Stadt der nachbarschaftlichen Quartiere weiterzuentwickeln. Beispiel „altersfreundliche Stadt“: Eine Nachbarschaft, die seniorengerecht ist, ist auch ein guter Ort für Familien, für Kinder, für Menschen mit Behinderungen, für alle, die kreativ sind, die gute Ideen weiterentwickeln in der Begegnung mit anderen.
Die Stärke des Antrags liegt in der – hier überregional und sogar global gedachten – Begegnung. Er gibt aber keine Antworten auf wichtige Fragen wie:
- Wie bekommen wir Anbieter, Träger noch besser an einen Tisch.
- Wo brauchen wir eine bessere kommunale Steuerung bestehender Angebote.
- Wie erreichen wir ältere Menschen und deren Angehörige besser?
Darüber sollten wir reden. Nicht nur hier, sondern im Sozialausschuss mit allen Interessierten und besonders mit dem Seniorenbeirat und auch mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen. Wir wollen hier keine Symbolpolitik, die irgendwo in der Welt stattfindet oder auch nicht. Wir wollen eine Stadt für alle Generationen, in der man gut leben kann, miteinander – und nicht allein. Darüber wollen wir reden. Und zwar im Ausschuss. Und dann gerne wieder hier.
Vielen Dank.