Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin, liebe Kolleg*innen, sehr geehrte Damen und Herren,
wir beraten heute mit über die Überlassung der Liegenschaft GEOMAR West vom Land Schleswig-Holstein an die Landeshauptstadt Kiel – als vorbereitenden Schritt für ein mögliches Meeresvisualisierungszentrum.
Und ich will direkt sagen: Es geht heute nicht um die endgültige Entscheidung für oder gegen ein Meereszentrum. Es geht um etwas sehr Grundsätzliches: um eine Chance für Kiel – und darum, diese Chance verantwortungsvoll abzusichern.
Denn wir sprechen hier über einen Ort mit enormer symbolischer und strategischer Bedeutung: Kiel als Meeresschutzstadt, als Wissenschaftsstandort, als Stadt an der Förde. Kiel hat mit dem GEOMAR ein weltweit renommiertes Institut direkt vor der Tür und gleichzeitig fehlt uns in der Innenstadt und an der Kiellinie ein Ort, der Meer, Wissenschaft, Bildung und Klimaschutz für alle Menschen sichtbar und erlebbar macht. Genau hier setzt das Projekt an.
Gleichzeitig ist klar: Ein solches Vorhaben muss seriös vorbereitet werden. Und genau deshalb legen wir heute diesen Änderungsantrag vor. Dieser Antrag bringt die entscheidenden Punkte zusammen, die für uns als verantwortliche Kommunalpoltiker*innen zentral sind:
Erstens: Die Übertragung der Liegenschaft soll unentgeltlich erfolgen. Das ist ein fairer Schritt, weil Kiel diese Fläche im öffentlichen Interesse entwickeln soll und weil das Land selbst im Koalitionsvertrag genau diese Perspektive eröffnet hat.
Zweitens: Wir schaffen Klarheit über die Übergangsphase: Die Stadt übernimmt Bauunterhaltung und Betriebskosten für 2026. Das ist ehrlich, transparent und macht deutlich: Wenn Kiel Verantwortung übernimmt, dann tun wir das bewusst und planbar.
Drittens – und das ist besonders wichtig: Wir sichern die Stadt ab, falls das Meeresvisualisierungszentrum nicht umgesetzt werden kann. Dann soll das Grundstück dauerhaft bei der Stadt verbleiben, allerdings unter Zustimmungsvorbehalt des Landtages und mit einem später festzulegenden Kaufpreis. Damit sorgen wir für Rechts- und Planungssicherheit und verhindern, dass Kiel in eine Sackgasse läuft.
Und viertens: Wir verlangen vor der Grundsatzentscheidung 2027 eine aktualisierte, belastbare Entscheidungsgrundlage. Dazu gehören fortgeschriebene Bewirtschaftungskosten, geprüfte Rückbaukosten, Gespräche zur Aquarium-Absicherung, Förderkulissen, Betreibermodelle und auch innovative Finanzierungsinstrumente wie Green- oder Blue-Bonds.
Das ist genau der richtige Weg: mutig denken, aber solide entscheiden.
Denn wir alle wissen: Kiel steht vor großen Herausforderungen. Klimaschutz, Infrastruktur, Schulen, soziale Sicherheit – alles konkurriert um knappe Haushaltsmittel. Gerade deshalb müssen wir bei Großprojekten nicht nur Begeisterung, sondern auch einen kühlen Kopf behalten.
Dieser Änderungsantrag ist deshalb ein guter Kompromiss zwischen Vision und Verantwortung. Er sagt:
Ja, Kiel soll diese Chance nutzen.
Ja, Kiel soll sich als Meeresschutzstadt weiterentwickeln.
Aber: Kiel trifft keine Entscheidung ins Blaue hinein, sondern schafft sich eine saubere Grundlage für 2027.
Und ich finde: Genau so muss moderne Kommunalpolitik funktionieren.
Danke an alle Fraktionen für diesen Antrag.
Darum bitte ich Sie herzlich um Zustimmung zu diesem Änderungsantrag.
Vielen Dank.