Leerstehende Häuser mit zerbrochenen Fenstern. Verwahrloste Grundstücke mitten im Quartier. Wohnungen, die dringend gebraucht werden und dennoch seit Jahren ungenutzt bleiben. Problemimmobilien sind mehr als bauliche Missstände. Sie sind vertane Chancen für bezahlbaren Wohnraum, sie belasten Nachbarschaften und bremsen die Entwicklung ganzer Stadtteile. Die Ratsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen und SPD bringen deshalb einen Antrag ein, mit dem die Verwaltung gebeten wird, dem Bauausschuss sowie weiteren zuständigen Ausschüssen einen umfassenden Überblick über den aktuellen Umgang mit Problemimmobilien vorzulegen. Ziel ist eine klare Bestandsaufnahme, Transparenz über bisherige Maßnahmen und ein Ausblick auf die nächsten Schritte.

„Kiel ist eine wachsende Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt. Jeder Quadratmeter Wohnraum zählt“, erklärt Arne Stenger, baupolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion. „Wenn Gebäude verfallen oder spekulativ leer stehen, verlieren wir nicht nur Wohnraum, wir verlieren Lebensqualität im Quartier. Das wollen wir nicht hinnehmen. Der beantragte Bericht soll aufzeigen, welche Objekte betroffen sind und wie sie sich über das Stadtgebiet verteilen, differenziert nach Wohn- und Gewerbegrundstücken. Wir wollen wissen, wo wir stehen, und wir wollen wissen, was wirkt. Unser Anspruch ist klar: Wir nutzen die Instrumente, die das Baugesetzbuch und die Landesbauordnung bieten. Wir sichern Wohnraum. Wir bringen Grundstücke in Entwicklung. Und wir stärken die Quartiere.“

„Mit der Anwendung des Wohnraumschutzgesetzes geht die Verwaltung einen wichtigen ersten Schritt, um gegen Eigentümer von Problemimmobilien vorzugehen. Angesichts steigender Mieten und knappen Wohnraums ist es jedoch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, vorhandene Gebäude nicht dem Verfall zu überlassen“, erklärt Sönke Klettner, baupolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion. „Wir dürfen nicht zulassen, dass dringend benötigter Wohnraum aus wirtschaftlichen Interessen oder aus Nachlässigkeit brachliegt. Neben dem Wohnraumschutzgesetz sollten deshalb auch bauordnungs- und bauplanungsrechtliche Möglichkeiten konsequent genutzt werden, um Eigentümer stärker in die Pflicht zu nehmen und Wohnungen wieder bewohnbar zu machen. Jede instand gesetzte Wohnung entlastet den Wohnungsmarkt und schafft Perspektiven für Familien, Alleinerziehende und Menschen mit geringem Einkommen. In einem ersten Schritt wollen wir uns von der Verwaltung über den aktuellen Stand informieren lassen, um anschließend weitere notwendige Schritte zu beraten. Wohnraum ist keine Ware wie jede andere, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.“