Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

herzlichen Dank ans Amt für Soziale Dienste, an Arne Leisner und alle Kolleginnen und Kollegen, für den Bericht.

Dass wir bereits eine „15-Minuten-Stadt“ sind, ist eine gute Nachricht. Dass wir prognostizierte 240 Tausend Euro für eine qualifizierte Planung für die Umsetzung einer nachhaltigen Quartiersentwicklung brauchen, die wir nicht haben, ist eine nicht ganz so gute. Aber keine Überraschung. Ich teile die Konsequenz daraus, dass wir uns in kleinen aber strategisch wichtigen Schritten bei der Entwicklung einer Stadt Kiel als Stadt der sozialen, nachbarschaftlichen Quartiere bewegen. Und der Bericht zeigt deutlich: Das tun wir auch längst! Die entscheidende Frage bei jedem einzelnen Schritt lautet: Wie wollen wir künftig zusammenleben?

Unsere Stadt besteht nicht nur aus Gebäuden, Straßen und Infrastruktur. Unsere lebenswerte und liebenswerte Stadt lebt von Nachbarschaft, Teilhabe, Begegnung und sozialem Zusammenhalt. Genau deshalb brauchen wir eine konsequente und ganzheitliche Quartiersentwicklung. Denn in der direkten Nachbarschaft findet das alltägliche Leben statt. Hier wachsen Kinder auf, hier suchen ältere Menschen Unterstützung, hier entstehen soziale Beziehungen und Gemeinschaft. Und genau hier, in Ellerbek, in Elmschenhagen, in Holtenau und der Wik, in Mettenhof und Rönne entscheidet sich, ob unsere Stadt sozial gerecht und lebenswert ist. Die Unterschiede in den Stadtteilen sind einfach zu groß. Insbesondere zwischen dem Ost- und Westufer. Von der 5-Minuten-Stadt zur 30-Minuten-Stadt ist es ein kurzer Weg über die Förde. Von einer starken Infrastruktur, guter Versorgung und vielfältigen Begegnungsorten auf der einen Seite. Sozialer Belastung, Einsamkeit, fehlenden Treffpunkten und einem hohen Armutsdruck auf der anderen Seite. Deshalb reicht es nicht aus, Wohnungen zu bauen und soziale Fragen später mitzudenken. Soziale Infrastruktur muss von Anfang an Teil der Stadtentwicklung sein.

Das bedeutet: Wenn neue Quartiere entstehen, müssen gleichzeitig auch Kitas, Grünflächen, Nachbarschaftstreffpunkte, Beratungsangebote, barrierefreie Wege und kulturelle Orte entstehen. Das passiert. Aber wir können noch besser werden. Menschen brauchen wohnortnahe Unterstützung, kurze Wege, generationengerechte Angebote, inklusive Räume und starke lokale Netzwerke. Und zwar alle. Nicht nur Menschen in besonderen Problemlagen.

Gerade jetzt, in einer Zeit mit einer globalen Untersicherheit, die wir in meiner und jüngeren Generationen nicht für möglich gehalten haben, wird deutlich, wie wichtig ein funktionierendes nahes Umfeld ist, wie wichtige funktionierende Nachbarschaften sind. Menschen brauchen Orte, an denen sie sich begegnen können. Orte gegen Einsamkeit. Orte für Zusammenhalt. Unsere Quartiersentwicklung umfasst viel mehr als einzelne Projekte, hier geht es um eine ganzheitliche Stadtentwicklung, in der wir gemeinsam die soziale Räume aktiv gestalten.

Kiel hat dafür bereits wichtige Grundlagen geschaffen:

  • mit Quartiersmanagement,
  • mit sozialräumlicher Arbeit,
  • mit inklusiven Ansätzen,
  • mit Projekten in Gaarden, der Wik oder anderen Stadtteilen.

Perspektivisch brauchen wir unterstützend ein verbindliches gesamtstädtisches Konzept. Ein Konzept, das Stadtentwicklung, Soziales, Klima, Gesundheit, Mobilität und Teilhabe zusammenführt. Denn Klimaanpassung ist auch eine soziale Frage. Pflege ist auch eine Quartiersfrage. Integration ist auch eine Nachbarschaftsfrage. Und Demokratie beginnt direkt vor der eigenen Haustür.

Unsere Vision wird Schritt für Schritt in die Realität finden:

  • Kiel soll eine Stadt der kurzen Wege und starken Nachbarschaften werden.
  • Eine Stadt, in der Menschen nicht nebeneinander leben, sondern miteinander.
  • Eine Stadt, in der sich alle Generationen und Nationen zugehörig fühlen können.
  • Eine Stadt, die soziale Sicherheit nicht nur organisiert, sondern im Alltag erlebbar macht.

Wenn uns das gelingt, dann schaffen wir nicht nur neue Quartiere. Dann schaffen wir Zukunft, Zusammenhalt und Lebensqualität für unsere ganze Stadt.

Vielen Dank.

Presse: Moderne Tourismusstadt…