Kieler Klimaschutzziele werden mit der derzeitigen Mobilitätskultur nicht erreicht – Tagung am 24.10.2015 im Wissenschaftszentrum

Nach Ansicht der Grünen wird Kiel seine Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn wir unser Mobilitätsverhalten  nicht drastisch ändern.

Ein Fünftel des in Deutschland ausgestoßenen CO2 geht auf das Konto des Verkehrs. Über 80 Prozent stammen direkt aus den Auspuffen von Autos, Lastwagen und Motorrädern. Während es bei der Energieversorgung zu einem Rückgang der CO2Emissionen kommt und sich das in Kiel durch den Bau des neue Gaskraftwerk besonders positiv auswirken wird, steigen die durch den Verkehr verursachten CO2-Emissionen an. Nach der Energiewende brauchen wir daher nun eine Verkehrswende. Wenn man sich vor Augen führt, dass wir den CO2-Ausstoss langfristig um 60 bis 80 Prozent reduzieren müssen, um das Klima zu stabilisieren, wird klar, vor welchen Herausforderungen wir stehen.

Wir brauchen deutlich mehr Anstrengungen in der Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik, um den Anteil der umweltfreundlichen Verkehrsträger (Fuß, Fahrrad, ÖPNV) zu erhöhen. .

Die Zahl der zugelassenen PKW ist in Kiel von 2008 von rund 94.000 auf über 104.000  in 2015 angestiegen. 72% aller zurückgelegter Kilometer pro Person wurden in Kiel im Jahre 2013 mit dem Kraftfahrzeug zurückgelegt. Der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen stagniert bei 17%.  Der Anteil des Öffentlichen Personen-Nah-Verkehrs in Kiel liegt konstant bei im Vergleich zu anderen Großstädten niedrigen10%. Obwohl Kiel eine wachsende Stadt ist, nahm die Anzahl der BusnutzerInnen im Jahr 2014 um 800.000 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht ab.

Das macht deutlich, dass die bis jetzt ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen um eine echte Verkehrswende in Kiel zu erreichen und wir deshalb weitere Schritte gehen müssen.

Zentrale Aufgabe unserer Mobilitätspolitik ist die Vereinbarkeit von Verkehr und Umwelt, also die Verlagerung von Verkehr auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes.

Wir müssen Mobilität neu denken. Wir brauchen einen neuen Masterplan „Mobilität in der postfossilen Stadt“ .

Dazu gehören Prinzipien wie

  • Nachverdichtung statt Grüne Wiese, vor allem in die Höhe, weniger in die Fläche nach dem Leitbild „Stadt der kurzen Wege“
  • Öffentliche Plätze und Shared Space für alle – statt mehrspuriger Kreuzungen für den Autoverkehr
  • Mehr Raum für FußgängerInnen und RadfahrerInnen auf Kiels Straßen um die Nahmobilität zu stärken
  • verkehrsberuhigte und autoarme Nachbarschaften für mehr Lebensqualität
  • Attraktivierung und Barrierefreiheit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), auch durch schienengebundene Lösungen
  • Konsequente Anbindung neuer Wohngebiete an den ÖPNV (integrierte Siedlungs- und Verkehrsentwicklung)
  • Förderung der Intermodalität (Vereinbarkeit unterschiedlicher Verkehrsträger) beispielsweise durch kostenlose Fahrradmitnahme in Bus und Bahn
  • Chancen neuer Mobilitätstrends wie Mitfahr-Zentralen, Car-Charing oder Mobilitäts-Apps nutzen
  • jenseits von den Hauptverkehrsachsen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30 km/h für PKW zur Lärm- und Schadstoffreduktion und einer Erhöhung der Verkehrssicherheit

Darum ergreifen wir als Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen die Initiative und laden interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, gemeinsam unsere bisherige Verkehrspolitik zu überdenken und  zu beraten, wie wir zu einem anderen, umweltverträglichen Mobilitätsverhalten in Kiel kommen können.

Als Impulsgeber haben wir  Dr. Heiner Monheim,  eingeladen, Professor für angewandte Geographie, Raumentwicklung und Landesplanung an der Universität Trier, der seine Ideen für eine postfossile Mobilität in der Stadt der Zukunft vortragen wird. Prof Monheim ist Mitbegründer des Verkehrsclub Deutschland (VCD) und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Anschließend referiert Bürgermeister Todeskino über Stärken und Schwächen der gegenwärtigen Mobilität in der Kieler Region.

Nach der Mittagspause besteht dann die Möglichkeit, in sechs thematisch gegliederten Arbeitsgruppen gemeinsam Ziele und konkrete Projekte für die Mobilität der Zukunft in Kiel zu diskutieren. Dabei geht u.a. es um folgende Fragestellungen:

  • Wie gelingt integrierte Stadtentwicklungsplanung, die den Bedürfnissen moderner, umweltgerechter Mobilität entspricht?
  • Wie wird der ÖPNV der Zukunft finanziert?
  • Wie ist die Zukunft des Kieler Bus ÖPNV und des Schienenverkehrs?
  • Wie geht es weiter mit dem Kieler Fährverkehr?
  • Wie können wir den öffentlichen Raum zurückgewinnen?
  • Welche Möglichkeiten haben wir, den ruhenden Verkehr zu regulieren?

Die Ergebnisse der Tagung werden dokumentiert, zur weiteren Diskussion in Online-Foren veröffentlicht und werden die Grundlage für die weitere Arbeit der GRÜNEN Ratsfraktion bilden.

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