Digitale Lernumgebung – Kieler Schulen brauchen Verlässlichkeit statt Aktionismus

Von: Christian Osbar

Mitten im Lockdown, während tausende Schüler*innen die digitalen Lernplattformen statt Pausenhöfe oder Klassenzimmer stürmen, wird insbesondere von der CDU die Systemfrage gestellt. Kieler Schulen sollen die vom Land geförderte Lernplattform itslearning nutzen und nicht iServ. Wie ein*e Oberlehrer*in fordert manche Kommunalpolitiker*in im gleichen Atemzug digitale Hausmeister*innen, die den Lehrkräften die Digitalisierung erklären sollen. Kiel als Schulträger ist für die digitale Lernumgebung in 67 Schulen zuständig und wir sind auf einem guten Weg. In der aktuellen Situation ist es wichtig anzuerkennen, was in den Monaten seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, von Lehrkräften und Schulen in unserem Land geleistet wurde.

Mit iServ gibt es in Kieler Schulen eine funktionierende und sehr viel umfassendere Lernplattform als andere, die vom IT-Team der Stadt Kiel seit Jahren mit Engagement und Einsatz betreut und weiterentwickelt wird. Momentan weiß niemand, wie es in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten weitergeht. Ums so bedeutsamer ist es als Schulträger eine funktionierende Lernplattform anzubieten, mit der Lehrkräfte sowie Schüler*innen immer vertrauter werden. Einen Schulträger, der sich für eine funktionierende Lösung entschieden hat, während manche Bildungspolitiker*innen weiterhin auf Präsenzunterricht in den Schulen setzten, jetzt dazu zu zwingen auf eine andere Plattform zu wechseln, ist unverantwortlich. Dies kann auch als Desinteresse von Landesverwaltung und manchen Politiker*innen an der Situation der Schulen Vorort interpretiert werden. In Zeiten von Überlastung des Lehrkörpers, auch aufgrund der pandemiebedingten Mehrarbeit, sind solche Äußerungen der Bildungsministerin absolut kontraproduktiv.

Die Digitalisierung der Schulen ist ein langfristiger Prozess mit vielen Unbekannten. Als Grüne werden wir uns in Kiel und in Schleswig-Holstein mit der Frage nach einer einheitlichen digitalen Lernplattform beschäftigen, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt für eine solch grundsätzliche Systemfrage. Eine Plattform für 800 Schulen, 8.000 Lehrkräfte und mehr als 290.000 Schüler*innen in Schleswig-Holstein setzt man nicht von heute auf morgen auf. Digitale Hausmeister könnten eine von vielen Ideen sein, um Lehrkräfte in diesem Prozess zu unterstützen. Diese sollten aber die Vielfalt und Unübersichtlichkeit der digitalen Lernumgebung an Kieler Schulen nicht verstärken. In einem Gesamtkonzept könnten nicht ortsgebundene digitale Servicekräfte mit Anbindung an die IT-Abteilung im Personalamt ein wirkungsvollerer Baustein eines Gesamtkonzeptes sein. Absehbar ist, dass der Support und die Nachbeschaffung für Kiel als Schulträger mit dem vorhandenen Personal nicht zu bewältigen ist.

Momentan haben wir Fernunterricht möglicherweise über das Halbjahresende hinaus. Jetzt gilt es die Anstrengungen von Schulleitungen und Lehrkräften die aktuelle Situation zu bewältigen zu würdigen und sorgsam auszuwerten. Wir sollten den Druck auf die Weiterentwicklung des Unterrichts in den Schulen nicht erhöhen, sondern den Blick auf die Zeit nach der Pandemie richten. Wie sollen Lehrkräfte in Zukunft digitale Lernmethoden verwenden und was stellen wir als Schulträger Kieler Schulen als Lernumgebung und Unterstützung zur Verfügung?

Wir werden uns mit als grüne Fraktion mit der Frage beschäftigen, welche Lernplattform für Kieler Schulen die beste ist und welches IT-Personal Lehrkräfte weiter entlasten könnte … aber nicht jetzt.

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